DIE DEUTSCHEN MUNDARTEN
In diesem Dokument beschreibe ich ein paar deutsche Varianten und erkläre ihre Evolution als germanische Sprachen. Ich möchte mich bei einigen Menschen für ihre Unterstützung bei diesem Projekt bedanken. Dieses Projekt ist nur schwer umzusetzen, aufgrund der wenigen Informationen, die ich über diese Varianten finden kann. Ich danke meiner*m Freund*in Celeste (Rheinhessischer Pfälzisch) und meiner Lehrerin Gisela (Plattdeutsch), mit der ich Unterricht in der Schule hatte.
ABKÜRZUNGEN
- A: Akkusativ
- AltHD: Althochdeutsch
- AltS: Altsächsisch (Altplattdeutsch)
- D: Dativ
- G: Genitiv
- HD: Hochdeutsch
- N: Nominativ
- Platt: Plattdeutsch (Plautdietsch)
- RH: Rheinhessisch
- RHuns: Riograndenser Hunsrückisch (Hunsrik)
PHONOLOGISCHE ENTWICKLUNG
§ Ich beginne mit einigen Wörtern im Althochdeutschen und erkläre ihre phonologische Entwicklung von dieser alten Sprache bis zum Rheinhessischen, Riograndenser Hunsrückischen und Hochdeutschen. Für Plattdeutsch (Plautdietsch) muss ich Altsächsisch benutzen, um die Etymologien zu erklären. Es ist fast unmöglich, all die Ausnahmen zu erklären. Deswegen habe ich ausgewählt, nur ein paar Beispiele zu zeigen.
- hia(r)/hiir: In vielen deutschen Varianten wird das /r/ am Ende der Silben als /a/ ausgesprochen und dieses Phänomen passiert auch im Plattdeutschen. Dieses Wort wird: HD hier; RH hier; RHuns hier. In Plattdeutsch kommt das Wort hia aus Altsächsisch hiir.
- diutisk/thiudisk: Die /sk/-Kombination wird als /S/ später gesprochen. Deswegen haben wir: HD Deutsch; RH und RHuns Deitsch /tajtS/; das Wort Dietsch in Plautdietsch kommt aus thiudisk in Altsächsisch, aber /th/ wird /d/ wie in allen deutschen Varianten. Der Diphthong /iu/ entwickelt sich wie /Oi/ in HD, /ai/ in RH und RHuns; und /i:/ in Plaut.
- stein/steen: Die /s/ am Anfang des Wortes wird /S/ in allen den Varianten, die wir in diesem Buch studieren, aber Plaut ist die Ausnahme. Es wird: HD Stein mit /ai/; RH Stå mit einem Vokal zwischen /a/ und /O/; RHuns und Plaut Steen (in RHuns Steen < AltHD stein und Plaut Steen < AltS steen) mit langem /e/. Der Diphthong /ei/ wird /ai/ im Hochdeutschen, zu /å/ im Rheinhessischen und zu langem /e:/ in RHuns. Lange /e:/ in Plaut kommt aus /e:/ in Altsächsisch. Die –n-Endung verschwindet oft in RHuns und RH.
- liod/lioth: Der Diphthong wird nur zu einem langen /iː/ in diesen Varianten: HD, RH und RHuns Lied. Das Wort Lied existiert auch auf Plautdietsch, aber es bedeutet „_Leute”, weil es aus „liudi“ im Altsächsischen kommt (_Leute auf Hochdeutsch). Aus “lioth” in AltS kommt Leet in Plaut.
- boum/boom: Der /ou/-Diphthong wird zu /au/ in HD transformiert: Baum. Er wird zu /a:/ in RH (z. B.: Baam) und zu /O:/ in RHuns (z. B.: Baam /bO:m/). Das Wort Boom in Plaut, mit langem /o:/, kommt aus AltS boom, mit einem langen Vokal auch.
- tood/dooth: Hier kann man sehen, dass der /d/-Konsonant im HD oft stimmlos wurde. z.B. : HD und RH Tod; RHuns Dod, mit /d/ als /t/ ohne Aspiration ausgesprochen. Im Platt haben wir Doot, aus AltS dooth.
- mahhoon/makoon: Der germanische /k/-Laut zwischen Vokalen wurde zu /x/ im HD transformiert. Aus AltHD mahhon haben wir: HD machen; RH maghe, in dem /gh/ den stimmhaften /x/-Laut repräsentiert; RHuns mache. Der /k/-Laut ist in diesem Kontext nicht transformiert. Deswegen haben wir Platt moake(n), aus AltS makoon. Der /a/-Vokal wurde oft /oa/ in Plautdietsch.
- taga/dagos: Diese Form war die Mehrzahl von “Tag”. Sie wurde: HD Tage; RH Daaghe; RHuns Daagh. Im Platt ist dieses Wort Doag, das aus AltS dagos kommt. Das ist ein unregelmäßiges Wort im Platt, weil seine Einzahl Dach ist.
PHONOLOGIE
§ Es gibt keine stimmhaften Plosivkonsonanten auf RHuns, weil /b d g/ zu /p t k/ ohne Aspiration wurden. Es ist auch wichtig zu sagen, dass es keine /y/- und /ø/-Laute in Plaut, RH und RHuns.
GRAMMATIK
§ Althochdeutsch hatte vier Kasus, wie Standarddeutsch, aber die Markierung war explizit auch in den Substantiven. Die modernen hochdeutschen Mundarten haben meistens nur zwei oder drei Kasus, weil der Genitiv fast tot ist. Der Tod des Genitivs passiert auch manchmal im informellen Standarddeutsch.
§ Altsächsisch hatte vier, wie Althochdeutsch. Einige Formen, die in älteren Texten gefunden sind, zeigen, dass es einen fünften Kasus gab, nämlich den Instrumental. Das Plautdietsch, das in Colônia Wittmarsum und anderen Teilen Brasiliens gesprochen wird, präserviert nur zwei Kasus (Nominativ-Akkusativ und Dativ).
§ In beiden Althochdeutsch und Altsächsisch passiert diese Vereinfachung hauptsächlich wegen der Reduktion der Vokale zu einem Schwa, das ein schwacher Laut von /e/ in der Rechtschreibung repräsentiert wird. Deswegen verschwinden die Veränderungen zwischen vielen Formen.
In den Verben wird der /n/-Laut am Ende einiger Wörter und Infinitive nicht ausgesprochen und es passiert in RHuns, Plaut und RH. z. B.: RHuns machen > mache’; Plaut moaken > moake; RH maghen ~ marren > maghe ~ marre.
PRONOMINA UND ARTIKEL
§ Die Personalpronomina in HD und seine Varianten mit ihren Etymologien aus AltHD (wenn die Varianten für eine spezifische Form nicht gezeigt werden, meine ich, dass sie in allen Varianten benutzt werden):
- IH > HD, RHuns ich, RH isch; MIH > HD mich, RH misch; MĪN > HD, RHuns mein, RH moi; MIR > HD, RH mir, RHuns meer.
- DU > du; DIH > HD dich, RH disch; DĪN > HD, RHuns dein, RH doi; DIR > HD, RH dir, RH deer.
- ËR > er; IN > HD, RHuns ihn, RH ihn ~ -ne; SIEN > HD, RHuns sein, RH soi; IMU > HD, RHun ihm, RH ihm ~ -m.
- SIU (N) > sie; SIA (A) > sie; IRA (G) > HD, RH ihr; IRU (D) > HD, RH ihr, RHuns eer.
- IŹ > HD, RHuns, RH es (NAD); IMU > HD, RHuns ihm, RH ihm ~ -m.
- WIR > HD wir (manchmal mir, aber es ist nicht Standard), RHuns meer, RH mer; UNSËR > unser; UNS (D) > uns (AD).
- IR > HD, RH ihr; IUWIH (A) > HD euch, RH und RHuns eich (AD); IUWËR > HD euer, RH eire, RHuns eir.
- SIE, SIU, SIO (männlich, sächlich und weiblich) > sie; IRO (G) > HD, RH ihr, RHuns eer; IN (D) > HD ihnen, RH ihne (D).
- SIH > HD sich, RH sisch;
WICHTIG ZU WISSEN: RHuns benutzt deer (ihr) und denne (ihnen).
§ Die bestimmten Artikel im Einzahl sind: DËR > der, RHuns und RH de (männlich N); DEN > den, RHuns und RH de (männlich A); DËS > des (männlich oder sächlich G); DËMU > dem, -m (männlich oder sächlich D); DAŹ > das, ‘s (sächlich NA); DIE, DIA (weiblich NA) > die; DËRA, DËRU (weiblich GD) > der, RHuns und RH de;
§ Im Mehrzahl sind sie: DIA, DIU, DIO (männlich, sächlich und weiblich N) > die (NA); DËRO > der (G); DËN > den (D).
§ Die Genitivformen der Artikel werden außerhalb des Standarddeutsches nicht benutzt. Es gibt oft keine Veränderung zwischen Nominativ und Akkusativ im Riograndensen Hunsrikischen und Reinhessischen.
§ Die Personalpronomina in Plaut mit ihren Etymologien aus AltS:
- IC > ekj ~ etj ‘ich’; MĪ > mie ‘mich, mir’; MĪN > mien ‘mein’.
- THU > du; THĪ > die ‘dich, dir’; THĪN > dien ‘dein’.
- HĒ > hee ‘er’; IMU > am ‘ihm, ihn’.
- SEA > see ‘sie’; IRA > äa ‘ihr’.
- THAT, ET > daut, et ‘das, es’.
- WĪ > wie ‘wir’; ŪS > ons ‘uns’.
- GĪ > jie ‘ihr’; IU > junt ~ ju ‘euch’.
- SEA > see ‘sie’.
§ Die anderen Pronomina sind: sien ‘sein’; sikj ‘sich’; jun ‘euer’; an ‘sie, ihnen’. Die bestimmten Artikel auf Plaut, die aus AltS kommen, sind: THĒ > de (männlich N Einzahl und Mehrzahl für alle Genera); THEN > dän (männlich A D männlich Einzahl); THIU, THERU > de (NAD weiblich Einzahl); THAT > daut für alle Kasus in der Einzahl für sächliche Wörter.
VERBEN
§ Die Verbe „sein“ und „haben“ sind sehr unregelmäßig. Hier sind die Formen dieser Verbe auf den hochdeutschen Mundarte:
- HD: ich bin; du bist; er/sie/es ist; wir sind; ihr seid; sie sind | ich habe; du hast; er/sie/es hat; wir haben; ihr habt; sie haben.
- RH: isch bin; du bist; er/sie/es is; mir sin; ihr soit; sie sin | isch hab; du hasch; er/sie/es hat ~ hot; mir ham; ihr habt; sie ham.
- RHuns: ich sin; du bist; er/sie/es is; meer sin; deer seid; sie sin | ich hon; du host; er/sie/es hod; meer hon; deer hod; sie hon.
§ Die Etymologie dieser Formen: BIN > bin; SĪ > RHuns sin (möglich eine Analogie mit dem Infinitiv oder Mehrzahl); IST > HD ist, RHuns und RH is; SĪN > HD sind, RHuns und RH sin; SĪT > HD und RHuns seid, RH soit. HABEN > HD habe, RH hab’, RHuns hon (aus dem Infinitiv); HABEST > HD hast, RH hasch, RHuns host; HABET > HD hat, RH hat ~ hot, RHuns hod; HABEM > HD haben, RH ham, RHuns hon; HABET > HD und RH habt, RHuns hod; HABEN(T) > HD haben, RH ham, RHuns hon.
§ Die Konjugation des Verbes „sein“ auf Plaut ist: ekj si, etj si, ekj senn; du best; hee/see/et/daut es; wie sent; jie sent; see sent. Die Konjugation des Verbes „haben“: ekj hab ~ etj hab; du hast; hee/see/et haft; wie habe(n); jie habe(n); see habe(n). Die Etymologie dieser Formen: SĪ > si; BIST > best; IST > es; SIND > sent. HEBBIU > hab; HEBBES > hast; HEBBED > haft; HEBBIEN > habe(n). Einer der möglichen Infinitive des Verbes „sein“ ist „sennen“ und es wurde vielleicht durch Analogie mit den Formen im Gegenwart formiert.
PRÄTERITUM
§ Im RH, RHuns und informellen Standarddeutschen wird das Präteritum fast niemals benutzt. Anstatt ihm wird das Perfekt benutzt, mit den Hilfsverben „sein“ oder „haben“ und dem Partizip formiert. z.B: HD ich habe gespielt, RHuns ich hon gespield, RH isch hab gspielt. Plaut hat auch kein Präteritum für die meisten Verben, mit der Ausnahme der Hilfsverben: ekj hab jespält. In hochdeutschen Varianten wird das Partizip mit dem Präfix ge- formiert und in plattdeutschen Varianten benutzt man den Präfix je-, aber es gibt viele Verben, die dieses Präfix nicht benutzen.
GRAMMATICHE WÖRTER
§ In dieser Sektion präsentiere ich Ihnen ein paar Präpositionen, Konjunktionen und Adverbien in HD, RHuns, RH und Plaut. Achtung: die Formen, die hier gezeigt nicht werden, sind ähnlich zu Standarddeutsch.
PRÄPOSITIONEN
- in: Plaut en;
- mit: Plaut met;
- aus: Plaut ut;
- ohne: Plaut onen;
- nach: RHuns und Plaut no(h);
- zu: RHuns zu/se, Plaut to;
- bei: Plaut bie;
- an: RHuns aan, Plaut aun ~ on;
- gegen: RH geh, RHuns geghe, Plaut jäajen;
- durch: RH dorch, RHuns dorrich, Plaut derch;
- von: RHuns fun, Plaut von; (vu- ist manchmal in RH gefunden)
- vor: RHuns for, Plaut ver;
- auf: RH und RHuns uff, Plaut opp;
- für: RH und RHuns fer, Plaut fa;
KONJUNKTIONEN
- und: RH und RHuns un, Plaut en;
- aber: RH und RHuns awer, Plaut oba;
- weil: RHuns wal, Plaut ooda;
- dass: Plaut daut;
- oder: RH oder/orrer,RHuns odder, Plaut ooda;
- denn/dann: Plaut daunn/denn/dan;
- wenn/wann: Plaut waunn/wann;
- als: Plaut aus;
- deswegen: RH desdeweh, RHuns dessentweche, Plaut daumet;
- trotzdem: RHuns und Plaut doch;
- sondern: RH sondern, RHuns sonder, Plaut o(b)ba;
- danach: RH dodeno, RHuns demnoh, Plaut ?daun/dono;
- ob: Plaut auf;
ADVERBIEN
- hier: RHuns hier/do (man kannt da in RH auch finden), Plaut hia;
- dort: RH dott, Plaut doa;
- jetzt: RH und RHuns jetz, Plaut nu;
- gestern: RH geschdern, RHuns gester, Plaut jistren;
- morgen: RH moje, RHuns moie, Plaut morjen;
- heute: RH und RHuns heit, Plaut vondoag/fendoag;
- möglich: RH meeglisch, Plaut meajlich;
- vielleicht: RH vielleischt, RHuns fielleicht, Plaut vlecht;
- später: RH späder, RHuns speder, Plaut lota;
- früher: RH fri(j)er ~ friher, RHuns friher, Plaut tiedech (=fruh);
- wo: Plaut wua;
- wann: Plaut wann/waunn;
- wie: RH wie, Plaut woo/wau;
- wovon: RH von wo, RHuns fun wo, Plaut wautvon;
- wohin: RH wohie, Plaut wuahan;
- woher: RH von wo, RHuns fun wo, Plaut woneem (von);
- schon: RH schun(d), RHuns schun, Plaut aul;
- plötzlich: RH pleetlisch, RHuns gleich, Plaut oop eemol/plotslich;
- auch: RH und RHuns aach, Plaut uk/uck;
- leider: Plaut leida;
- gern(e): RH gern, RHuns gern (hon), Plaut jiren/jierne;
- allein(e): RH allå, RHuns alleen, Plaut auleen;
- nicht: RH, RHuns, Plaut net;
- niemals: Plaut kjeenmaul;
- damit: RH dodemit, RHuns demit, Plaut daumet/doamet;
- darein: RH do drin, RHuns drin, Plaut doarin;
- daraus: RH doraus, RHuns draus, Plaut doarut;
- davon: RH dodevon ~ dodevun, RHuns defun, Plaut doavon;
- zu Hause: RH dahåm, RHuns dehemm, Plaut tuß;
- nach Haus: RH håm, RHuns hemm, Plaut nohus;
SÄTZSTELLUNG
§ Die Sätzstruktur in den hochdeutschen Varianten ist sehr ähnlich zwischen ihnen und Plaut folgt die ähliche Struktur, die typisch in germanischen Sprachen ist. Ich zeige Ihnen nur ein paar Beispiele und Erklärunge, weil Ihnen diese Strukture gut bekannt sind, ob Deutsch ihre Muttersprache ist.
RHEINHESSISCH
HAUPTSÄTZE UND V2-REGEL
§ In Hauptsätzen findet man den V2-Regel. Es meint, dass der Hauptverb immer in der zweiten Position des Satzes gefunden wird. Zum Beispiel, wenn es ein Adverb gibt, dann muss das Subjekt nach dem Verb stehen.
Isch fahr’ jetz no Alse mim Audo.
§ Fahr’ ist das Hauptverb.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: ich fahre jetzt nach Alzey mit dem Auto.
NEBENSÄTZE
§ In Nebensätzen steht das Verb oder die Verbe am Ende des Nebensatzes.
Isch wåß net, ob du mir hilfen kannsch
§ ob du mir hilfen kannsch ist der Nebensatz.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: ich weiß nicht, ob du mir hilfen kannst.
NEBENSÄTZE VOR HAUPTSÄTZE (V2-REGEL)
§ Die Nebensätze können vor den Hauptsätze stehen, aber in dieser Situation folgt die ganze Satz den V2-Regel.
Wenn du kå Brot hosch, kannsch-e in de Supermarkt gehe.
§ wenn du kå Brot hosch ist der Nebensatz.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: wenn du kein Brot hast, kannst du in die Supermarkt gehen.
SÄTZE MIT ZWEI VERBEN (HAUPTVERB AM ENDE)
§ Wenn man einen Satz mit zwei Verben hat, steht das Hilfsverb in der zweiten Position und das Infinitiv oder Partizip am Ende des Satzes.
Mer kenne späder mit der net spiele
§ kenne ist das Hauptverb und spiele ist das Infinitiv.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Wir können später mit dir nicht spielen.
RIOGRANDENSER HUNSRIK
HAUPTSÄTZE UND V2-REGEL
§ In Hauptsätzen findet man den V2-Regel. Es meint, dass der Hauptverb immer in der zweiten Position des Satzes gefunden wird. Zum Beispiel, wenn es ein Adverb gibt, dann muss das Subjekt nach dem Verb stehen.
Jetz schreive-ich en neies Buch iwwer ‘s Leben.
§ Das Verb schreive steht in der zweiten Position.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Jetzt schreibe ich ein neues Buch über das Leben.
NEBENSÄTZE
§ In Nebensätzen steht das Verb oder die Verbe am Ende des Nebensatzes.
Er saad, dass Berlin die Hauptstatt fun Deitschland is.
§ dass Berlin die Hauptstatty fun Deitschland is ist der Nebensatz.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Er sagte, dass Berlin die Hauptstadt von Deutschland ist.
NEBENSÄTZE VOR HAUPTSÄTZE (V2-REGEL)
§ Die Nebensätze können vor den Hauptsätze stehen, aber in dieser Situation folgt die ganze Satz den V2-Regel.
Wennsch-du Fraae host, kann de Lehrer dir hellfe.
§ wennsch-du Fraae host ist der Nebensatz.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Wenn du Fragen hast, kann der Lehrer dir helfen.
SÄTZE MIT ZWEI VERBEN (HAUPTVERB AM ENDE)
§ Wenn man einen Satz mit zwei Verben hat, steht das Hilfsverb in der zweiten Position und das Infinitiv oder Partizip am Ende des Satzes.
Meer kenne diese Spraach net ferstehn.
§ kenne ist das Hauptverb, in der zweiten Position, und ferstehn ist der Infinitiv, am Ende des Hauptsatzes.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Wir können diese Sprache nicht verstehen.
PLAUTDIETSCH
HAUPTSÄTZE UND V2-REGEL
§ In Hauptsätzen findet man den V2-Regel. Es meint, dass der Hauptverb immer in der zweiten Position des Satzes gefunden wird. Zum Beispiel, wenn es ein Adverb gibt, dann muss das Subjekt nach dem Verb stehen.
Am Aunfank muak Gott Hummel un Ieed.
§ muak ist das Hauptverb, in der zweiten Position.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
NEBENSÄTZE
§ In Nebensätzen steht das Verb oder die Verbe am Ende des Nebensatzes.
Etj weet net, auf hee Dietsch es.
§ auf hee Dietsch es ist der Nebensatz, mit dem Hauptverb am Ende des Nebensatzes.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Ich weiß nicht, ob er Deutsch ist.
NEBENSÄTZE VOR HAUPTSÄTZE (V2-REGEL)
§ Die Nebensätze können vor den Hauptsätze stehen, aber in dieser Situation folgt die ganze Satz den V2-Regel.
Wann du Froage hast, kaun de Liera die halpe.
§ wann du Froage hast ist der Nebensatz. Das Verb des Hauptsatzes steht in der zweiten Position, nach dem Nebensatz, der in der ersten Position steht.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Wenn du Fragen hast, kann der Lierer dir helfen.
SÄTZE MIT ZWEI VERBEN (HAUPTVERB AM ENDE)
§ Wenn man einen Satz mit zwei Verben hat, steht das Hilfsverb in der zweiten Position und das Infinitiv oder Partizip am Ende des Satzes.
Etj kaun miene Tjinja net finje.
§ kaun ist das Hauptverb, in der zweiten Position, und finje ist der Infinitiv, am Ende des Hauptsatzes.
§ Auf HD bedeutet dieser Satz: Ich kann meine Kinder nicht finden.
ANHANG
DIE KONJUGATION DER REGELMÄSSIGEN VERBEN
PLAUTDIETSCH
- Gegenwart: etj späl; du spälst; hee spält, see spält, daut spält; wie spälen; jie spälen; see spälen.
- Vergangenheit (Perfekt): etj hab jespäld; du hast jespäld; hee haft jespäld, see haft jespäld, daut haft jespäld; wie habe(n) jespäld; jie habe(n) jespäld; see habe(n) jespäld.
- Partizip: jespäld.
- Infinitiv: späle(n).
- Imperativ: späl (du); spält (jie).
RIOGRANDENSER HUNSRIK
- Gegenwart: ich spiele; du spielst; er spield, sie spield, es spield; meer spiele; deer spield; sie spiele.
- Vergangenheit (Perfekt): ich hon gespield; du host gespield; er hod gespield, sie hod gespield, es hod gespield; meer hon gespield; deer hod gespield; sie hon gespield.
- Partizip: gespield.
- Infinitiv: spiele.
- Imperativ: spiel (du); spiel (deer).
RHEINHESSISCH
- Gegenwart: isch spiel’; du spielsch; er spielt, sie spielt, es spielt; mir spiele; ihr spielt; sie spiele.
- Vergangenheit (Perfekt): isch hab’ gspielt; du hasch gspielt; er hot gspielt, sie hot gspielt, es gspielt; mir habe gspielt; ihr habt gspielt; sie habe gspielt.
- Partizip: gspielt.
- Infinitiv: spiele.
- Imperativ: spiel (du); spiele (sie).
BIBLIOGRAPHIE
Kehoma Boll, P. (2021). Dicionário Hunsriqueano Riograndense – Português.
“Old Saxon.” Wikipedia. https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Saxon. Am 15. April 2026 besucht.
“Unbennante Seite.” Plattdeutsches Online-Wörterbuch. https://plaut-dietsch.de/hoch-plaut.html. Am 3. Mai 2026 besucht.
“Wiktionary, the free dictionary.” Wiktionary. https://en.wiktionary.org/. Am 14. April 2026 besucht.
Wright, Joseph (1906). An Old High German Primer (Second ed.). Oxford: Clarendon Press.